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Satirikerin Patti Basler: Werde, die du bist

Patti Basler, schwarze Haare, schwarze Bluse, ernste Miene, steht auf der Bühne des Zürcher Clubs Plaza und schreit ihren Text ins Mikrofon. Konzentriert, klar, fehlerfrei. Es ist ein Mittwoch Anfang November, die dritte Vorrunde der deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry-Slam. Der Saal ist voll, das Publikum jung und gebannt, es wird die Poeten am Schluss bewerten.

Vor zehn Jahren, im Winter 2008, als die Meisterschaften zum letzten Mal in Zürich stattfanden, stand Patti Basler schon einmal hier. Sie arbeitete damals als Oberstufenlehrerin und besuchte den Anlass mit ihrer Klasse. Sie sah sich die Auftritte an, einen nach dem anderen. Und dachte sich am Schluss: “Das kann ich auch.”

Patti Basler, 42, ist heute aus der Schweizer Satire-Szene nicht mehr wegzudenken. Seit Monaten tourt sie mit ihrem Programm
Frontalunterricht
durchs Land. Sie hat sich einen Namen gemacht als Instant-Protokollantin in der
Arena
des Schweizer Fernsehens SRF, die sie einmal im Monat gereimt zusammenfasst. Sie moderiert und präsentiert, eine Frauen-Runde im Zürcher Kaufleuten, Comedy- und Kabarett-Zuckerperlen im Casino-Theater Winterthur, eine Politik-Talkshow in der Stanzerei in Baden. Sie gehört zum Ensemble der neuen Late-Night-Show
Late Update
vom SRF, die im Januar startet. Und im Frühling kommenden Jahres darf Patti Basler den Salzburger Stier entgegennehmen, den renommiertesten Preis für Kleinkunst im deutschsprachigen Raum.

Wie wird aus einer Zuschauerin ein Star?

Patti Basler sitzt im Foyer des Theaters im Kornhaus in Baden, wo sie zusammen mit ihrem Bühnenpartner für ihr nächstes abendfüllendes Programm probt. Es heißt
Nachsitzen
und wird im März 2019 Premiere feiern. Basler sagt: “Du brauchst Talent, Interesse und dann natürlich Treibmittel, die richtige Betriebstemperatur, damit das, was schon da ist, aufgehen kann.” Man könne es mit dem antiken griechischen Dichter Pindar sagen: “Werde, der du bist.”

Von der Heu- auf die Showbühne

Patti Basler wächst mit zwei Schwestern auf einem Bauernhof im aargauischen Fricktal auf. Sie beschreibt sich als bodenständig, erzählt gern die Geschichte des Mädchens vom Land, das sich in der städtischen Kulturszene durchsetzt. “Von der Heu- auf die Showbühne” macht sie zu ihrem Werbeslogan.

Aber was hat ihre Kindheit mit dem zu tun, was später aus ihr wird? Jemanden, der als Künstler Geld verdient, kennt Basler als Mädchen nicht. Ihr Vater dichtet in der Freizeit. Er habe eigentlich studieren wollen, sagt Basler, habe dann aber den Hof der Eltern übernommen. Er habe sie mit seinem Interesse an der Welt und der Literatur angesteckt, mit seinem Feingefühl für Sprache. Sie erzählt, wie sie gemeinsam im Stall Radio hörten und diskutierten. “So habe ich mit ihm trainiert, was ich heute in Talkshows mache.”

“Als Lehrerin musst du politisch korrekt sein und einen gewissen Idealismus haben, du darfst dir keine Wortgefechte mit Kindern liefern.”

Patti Basler

Doch die Arbeit auf dem Hof mag Basler nicht besonders. Sie möchte weg vom Land. Deshalb entscheidet sie sich für eine Ausbildung zur Oberstufenlehrerin. Sie sagt: “Ich wusste: So werde ich rasch mein eigenes Geld verdienen und ausziehen können.” Lehrerin sei sie gern gewesen, aber: “Als Lehrerin musst du politisch korrekt sein und einen gewissen Idealismus haben, du darfst dir keine Wortgefechte mit Kindern liefern, sie nicht bloßstellen, und du kannst nicht ständig performen, das macht dich fertig.” Basler vermisst die intellektuelle Herausforderung. Sie schreibt sich an der Uni Zürich für Erziehungswissenschaften ein. “Das Studium hat meinen Horizont erweitert”, sagt sie.

“22 Semester an der Philosophischen Fakultät” – auch das ist Teil ihres selbst geformten Narrativs: dass aus der faulen Bauerntochter eine Akademikerin mit bestem Abschluss wird. Basler studiert, arbeitet als Lehrmittel-Autorin, unterrichtet und besucht mit ihrer Klasse den Poetry-Slam-Wettbewerb, der ihr nicht mehr aus dem Kopf geht.

Der Abend, der ihr Leben veränderte

Noch im selben Jahr, 2008, mit Anfang 30, tritt Basler selbst auf einer Slam-Bühne auf: In der Kulturbeiz Chappelehof in Wohlen im Aargau. Ein paar ihrer Freunde organisieren den Anlass und überreden Patti mitzumachen. “Ich hatte keine Ausrede mehr”, sagt sie. Basler glaubt, sie habe damals geahnt, dass dieser Abend ihr Leben verändern würde.

Es ist nicht ihr erster Auftritt vor Publikum. Sie hat schon eine CD-Taufe moderiert, Blasmusikkonzerte auf dem Dorf, Geschichten erzählt, an Pointen gefeilt. Und trotzdem ist sie sehr nervös. Am Schluss gibt ihr das Publikum eine Zehn, die Bestnote im Reich der Slam-Poeten. Für sie ist klar: Jetzt macht sie weiter. “Ich wusste einfach, da gehöre ich hin.”

Es ist der Beginn einer klassischen Slam-Karriere, einfach zehn Jahre später als viele, die diesen Weg eingeschlagen haben: Gabriel Vetter, Lara Stoll, Renato Kaiser oder Hazel Brugger sind Anfang 20 oder noch jünger, als sie zum ersten Mal auftreten, coole Jungtalente.

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