/Proteste in Frankreich: Mehr als 700 Schüler bei Krawallen festgenommen

Proteste in Frankreich: Mehr als 700 Schüler bei Krawallen festgenommen

Frankreich – Schüler und Studierende demonstrieren gegen Reformen
In mehreren französischen Städten haben Schüler Autos angezündet und mit Steinen auf Polizisten geworfen. Diese reagierten mit dem Einsatz von Tränengas.

© Foto: GERARD JULIEN/AFP/Getty Images

Bei den landesweiten Protesten in Frankreich sind mehr als 700 Schülerinnen und Schüler vorübergehend festgenommen worden. Durch die Demonstrationen sei in fast 280 Schulen der Betrieb gestört worden, 45 davon seien blockiert worden, verlautete aus dem Innenministerium in Paris.

Allein im nordfranzösischen Mantes-la-Jolie nahm die Polizei 146 Menschen fest – größtenteils Schülerinnen
und Schüler, die in der Nähe einer Schule in  protestiert
hatten, wie die Polizei mitteilte. Die Schüler hätten randaliert, hieß es weiter.

An den Schülerprotesten gegen härtere Auswahlkriterien beim Hochschulzugang und befürchtete Kürzungen beim Lehrpersonal beteiligten sich tausende Gymnasiasten und Mittelschüler, vielerorts kam es zu Gewalt.

“Starke Antwort” verlangt

Auch an Hochschulen gab es Proteste. Teile der Pariser Universität Sorbonne blieben am Donnerstag
geschlossen, wie die Hochschule mitteilte. Medienberichten zufolge
hatten zuvor mehrere Menschen versucht, sie zu
besetzen.

Der Präsident der Nationalen Schülerunion, Louis
Boyard, sagte dem Sender BFMTV, wenn der Bildungsminister nicht bald “eine starke Antwort” gebe, werde es
Todesfälle geben. Er fürchte bei den Protesten Gewalt – und
rief zugleich zur Ruhe auf. Nach Angaben des Senders waren im
Großraum Paris rund hundert Bildungseinrichtungen von den Aktionen
betroffen.

Steuererhöhungen aussetzen

Schüler und Studenten in Frankreich blockieren seit Montag Bildungseinrichtungen. In der kommenden Woche wollen auch die Landwirte demonstrieren. Ausgangspunkt für die Demonstrationen im ganzen Land sind die Proteste der sogenannten Gelbwesten, die schon seit Mitte November unter anderem gegen die Steuererhöhungspläne und weitere Belastungen durch die Regierung demonstrieren. Zuletzt endeten diese Proteste auch in Gewalt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am Mittwochabend angekündigt, die Steuererhöhungen für Benzin und Diesel für 2019 auszusetzen. Am Donnerstagnachmittag gab Premier Édouard Philippe eine Regierungserklärung zu den geplanten Steuern im französischen Senat. Er hatte zuvor versucht, sich mit Vertretern des Protestes zu treffen, was aber nicht gelang. Bereits am Mittwoch hatte er sich vor der Nationalversammlung erklärt. Macron selbst hielt sich nach seiner Rückkehr vom G20-Gipfel in Argentinien mit öffentlichen Auftritten zurück.

Am Wochenende könnte die Gewalt weiter eskalieren: Rund um den Pariser Triumphbogen, wo es am vergangenen Wochenende Ausschreitungen gegeben hatte, ist bereits Polizei im Einsatz. Die Beamten sperrte Zugänge zu dem Wahrzeichen. Einzelne Läden auf der Prachtstraße Champs-Élysées wurden gesichert.

Fußballspiele abgesagt

Wegen weiterer möglicher Ausschreitungen wurden auch mehrere Fußballspiele abgesagt, darunter die für Freitag geplante Partie zwischen AS Monaco und OGC Nizza. Auch ein ursprünglich für Sonntag angesetztes Spiel zwischen AS Saint-Etienne und Olympique Marseille wurde verschoben.

Nach Informationen der französischen Nachrichtenagentur AFP sollen die für die Spiele vorgesehenen Polizisten statt bei den Spielen bei den Demonstrationen der Gelbwesten eingesetzt werden. Wegen der Proteste waren auch das für Samstag geplante Topspiel zwischen Paris Saint-Germain (PSG) und dem HSC Montpellier sowie die Partie zwischen Toulouse und Lyon verschoben worden.

Angesicht neuer Proteste wird die Regierung am
Samstag im ganzen Land 89.000 Sicherheitskräfte einsetzen. Davon
entfielen 8.000 auf die Hauptstadt Paris, sagte Premier
Philippe dem TV-Sender TF1. Die Zahl ist deutlich
höher als die 65.000, von denen zunächst die Rede gewesen war.

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