/Kriegsgefahr: Gefährliche Hardliner auf beiden Seiten

Kriegsgefahr: Gefährliche Hardliner auf beiden Seiten

Der Iran hat angekündigt, in zehn Tagen die in dem Atomvertrag von 2015 vereinbarte Höchstgrenze
an angereichertem Uran erstmals zu verletzten
. Sollte die Islamische Republik ihren
Worten Taten folgen lassen, wäre der vom Weißen Haus vor einem Jahr einseitig
aufgekündigte Atomvertrag Makulatur. Und die Golfregion könnte in einen
offenen Krieg hineinschlittern.

Denn auf beiden Seiten, im Iran und in den Vereinigten Staaten, geben gerade Hardliner den Ton an. Die weltweit erzwungenen
US-Sanktionen haben zum Ziel, die iranische Wirtschaft zu strangulieren. Die
Öleinnahmen, die wichtigste Finanzierungsquelle der Iraner, gingen bereits
um gut die Hälfte zurück, während in der Bevölkerung Unmut, Angst und
Frustration wachsen. Die gemäßigten Kräfte in Teheran, die bislang auf Dialog
und Ausgleich setzten, geraten durch diese ökonomische Belagerung immer mehr in
die Defensive. Ihre heimischen Kontrahenten dagegen suchen offen nach
Kraftproben mit dem sogenannten Großen Satan in Washington. Sie argumentieren, die Europäer
seien zu schwach und den Amerikanern sei grundsätzlich nicht zu trauen.

Keine Großkriege mehr

In der Tat – die Iran-Äußerungen von Donald Trump oszillieren
extrem. Dabei scheint sich der US-Präsident an seinem bisherigen Nordkorea-Skript
zu orientieren – mal droht er Teheran mit Vernichtung, dann bietet er dessen Führung
wieder jederzeit direkte Gespräche an. Jenseits aller über Twitter verbreiteten Attacken jedoch fühlt
sich der Mann im Weißen Haus bisher an sein zentrales Wahlkampfversprechen
gebunden, nach den Billionen-Dollar-Desastern in Irak und Afghanistan die Nation
niemals wieder in einen endlosen Großkrieg im Nahen Osten zu verwickeln – ein strategischer
Eckstein für seine mögliche Wiederwahl 2020 und seine “America First”-Ideologie.

Trotzdem fördert er den Einfluss von Hardlinern in der US-Administration wie
den evangelikalen Außenminister Mike Pompeo und Sicherheitsberater John R. Bolton,
die beiden Architekten der Strategie des “maximalen Drucks” auf den Iran. Praktisch
alle mäßigenden Stimmen im Umfeld des Oval Office dagegen sind inzwischen gegangen, freiwillig oder unfreiwillig.

Dieser Mangel an einer klaren, kohärente Strategie gegenüber der
Islamischen Republik wiederum reizt die iranischer
Hardliner zu Provokationen. Sie wollen den amerikanischen Präsidenten als wankelmütigen Ignoranten
vorführen. Und sie setzen darauf, dass die USA trotz ihrer haushoch überlegenen
Streitmacht einer asymmetrischen Kriegsführung in der Region wenig
entgegenzusetzen haben.

Tankerzwischenfälle zum Beispiel in der Straße von
Hormus
, durch die ein Drittel der weltweiten Öltransporte laufen, könnten die
Meerenge zu einer globalen Konfliktzone machen und die Weltwirtschaft ins Straucheln
bringen. Auch in Syrien und Irak bieten sich Möglichkeiten für empfindliche
Nadelstiche gegen die amerikanische Präsenz – von Sabotageangriffen auf saudische
und emiratische Ölanlagen ganz zu schweigen.

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