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Europawahlergebnis: Angriff aus dem Kinderzimmer

An diesem Sonntag hat die erste Klimawahl in der Geschichte der Bundesrepublik
Deutschland
stattgefunden. Und eines kann man schon jetzt sagen: Es wird nicht die
letzte gewesen sein.

Zu verdanken ist diese Zuspitzung
auf das am meisten vernachlässigte Thema unter den Megaproblemen der Zukunft
nur in zweiter Linie den Grünen. Auch wenn sie am meisten davon profitiert haben. Zu
verdanken ist diese Klimawahl vor allem jenen Hundertausenden jungen Menschen, die seit
Monaten freitags und an anderen Tagen für eine ernst zu nehmende Klimapolitik
auf die Straße gehen. Sie haben mit ihrem Angriff aus dem Kinderzimmer den
Parteien und der sie begleitenden Öffentlichkeit ein Thema aufgedrängt, das
eigentlich wie bisher unter ferner liefen abgehandelt werden sollte.

Folgerichtig hat diese
Europawahl eine so nie da gewesene Spaltung zwischen der jungen Generation und
den Älteren bloßgelegt. Bei den Neuwählerinnen und -wählern bekommen die Grünen
so viel Zustimmung wie SPD und Union zusammen. Nur diejenigen Wählerinnen und Wähler,
die über 60 sind und glauben, vom Klimawandel nicht mehr selbst betroffen zu
sein, haben SPD und CDU vor der totalen Blamage und dem Rückfall auf die Plätze
zwei und drei bewahrt. Was aber auch bedeutet, dass die beiden
Fast-noch-Volksparteien, dass CDU und SPD ohne eine Wende in ihrer Klimapolitik
alsbald aussterben werden. Für sie ist das Klima nun eine Überlebensfrage der
anderen Art.

Interessenkonflikte zwischen Jung und Alt

Der Gegensatz zwischen den Generationen ist dabei keineswegs auf
Temperamentsunterschiede zischen den Jüngeren und den Älteren zurückzuführen. Es geht vielmehr um massive materielle Interessengegensätze. Ob anderthalb, zwei, drei
oder fünf Grad Erderwärmung: Das ist für die Älteren nur eine graduelle Frage, für
die Jüngeren ist sie existenziell. Diejenigen, die heute unter dreißig sind,
haben nicht mehr nur keine Lust, zu warten, sie haben auch keine Zeit mehr.
Darum sind sie nun aktiv geworden, auch an der Urne.

Natürlich haben die Parteien
der großen Koalition seit Wochen gemerkt, dass dies eine Klimawahl werden
würde, und noch einmal alle Tricks ausgepackt: Insbesondere die CDU mit Annegret Kramp-Karrenbauer an der
Spitze hat zunächst versucht, die Jugendlichen der Friday-for-Future-Bewegung zu
diskreditieren. Als das nicht funktionierte, wollte sie die jungen Leute plump umarmen. Aber die haben das gemerkt.

Die CDU hat stets betont, nicht
einseitig auf Klimarettung zu setzen, sondern soziale, ökonomische und
ökologische Aspekte versöhnen zu wollen. Aber die jungen Leute haben
verstanden, dass sie genau das ja schon seit anderthalb Jahrzehnten ununterbrochenen Regierens auf genau die Weise tun, die das Klima ruiniert.

Die
CDU setzt dogmatisch auf Freiwilligkeit, auf Anreize, sie ist gegen Verbote und
Vorschriften, sie hofft auf fast schon religiöse Weise darauf, dass die
passenden Technologien stets rechtzeitig aus den Laboren purzeln. Aber die
Jungen haben verstanden, dass dieser Mix
für die Unmerklichkeit von Klimapolitik nicht mehr darstellt als eine
versteckte Drohung mit dem Weiter-so, eben mit mehr Klimaerhitzung.

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