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Fußballbundesliga: Die Geschichten der Saison

Die 56. Bundesligasaison ist zu Ende. Der FC Bayern wurde am 34. Spieltag Deutscher Meister. Doch das ist nicht alles, was von dieser Spielzeit bleibt. Wir haben die besten Geschichten eingesammelt. All unsere Texte zur Liga finden Sie übrigens hier

Es war ein gutes Jahr für …

Friedhelm Funkel, den Immanuel Kant der Liga. Kant schlug sich mal als Bibliothekar, mal als Hauslehrer durch. Erst mit 57 Jahren der Durchbruch: die Kritik der reinen Vernunft. Ein wahrer Spätzünder. Funkel ist nun 65. Willkommen bei den Best Agern! Denn in den Nullerjahren machte sich Funkel zwar in Frankfurt einen Namen, an seinen anderen Stationen, und das waren nicht wenige, entließ man ihn aber schnell wieder. Bis er zur Fortuna fand. Seit drei Jahren coacht er die Düsseldorfer, hielt dieses Jahr die Klasse, obwohl nicht wenige vor der Saison Düsseldorf als Abstiegskandidaten identifiziert hatten. Funkel wurde mit einem neuen Vertrag belohnt.

… das Grundgesetz. Die 70-Jahr-Feiern am Brandenburger Tor und gedankenparfümierte Essays mögen ihre Wirkung haben. Wenn aber Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß die Verfassung zitieren wie im Herbst 2018, geraten selbst bayrische Separatisten ins Schwärmen.

… das Viertel in Bremen. Unmittelbar am Stadion gelegen profitiert Bremens Szenestadtteil von der guten Laune und vom Durst der Werder-Fans. Vor allem in dieser Saison. In den vergangenen Jahren war Werder am Ende eher zwei- als einstellig. Aber Florian Kohfeldt lässt attraktiven Fußball spielen, hat Werder damit wieder am Europapokal schnuppern lassen und schlug beinahe die Bayern im Pokal. Außerdem teilte Werders Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald mit: “Jeder AfD-Wähler sollte schon wissen, dass es ein Widerspruch ist, Werder gut zu finden und die AfD zu wählen.”

… Freunde des gepflegten Jubels. In Erinnerung wird Serge Gnabry
bleiben, der das Essen anrührt, wenn er trifft. Als Veganer natürlich
eine Grünkohl-Kichererbsen-Suppe. Und Mario Balotelli, der einen
Torjubel live bei Instagram streamte. Ebenso im Trend: der Cojones-Jubel,
dargeboten von Diego Simeone und Cristiano Ronaldo. Ist nur nichts für die Kinder.

… für Selfmadetypen wie Danny da Costa.

… für Martin Hinteregger. Noch im Winter fiel er auf mit der Aussage: “Ich kann nichts Positives über ihn sagen und werde auch nichts Negatives sagen.” Da war er beim Abstiegskandidaten Augsburg unter Vertrag. Mit diesem Satz über seinen Trainer Manuel Baum führte er seinen Wechsel nach Frankfurt herbei, wurde dort Publikumsliebling, erhielt einen eigenen Song und hätte die Eintracht beinahe ins Europa-League-Finale geschossen. Es gab schon schlimmere Halbjahre. 

… die Absteiger: So früh hatten sie selten Planungssicherheit für Liga zwei. Ist doch schön. Ab dem 15. Spieltag teilten sich Hannover und
Nürnberg die beiden letzten Plätze. In Nürnberg führten der Verzicht auf
Neuzugänge und eigenwillige Aufstellungen des Ex-Trainers Michael Köllner in den Untergang. Der Glubb kassierte die höchste Niederlage der
Bundesligasaison (0:7 gegen den BVB) und steigt als schlechtester
Aufsteiger der Geschichte direkt wieder ab. Hannover vermisste verletzte
Schlüsselspieler und haderte mit dem Sturkopf Martin Kind, dessen
Launen über das Wohl des Vereins bestimmen. Immerhin: Das Phänomen ist
ein internationales, der Vorsprung der Clubs, die es in den Europapokal
und damit an größere Geldtöpfe schaffen, zeigt sich in Europa an vielen
Stellen: In der Premier League holten die Absteiger in diesem Jahr
zusammen so wenige Punkte wie noch nie, während Liverpool und Manchester City gemeinsam auf beinahe 200 kamen.

… Liebhaber von Karl-Heinz-Rummenigge-Bonmots. Zu Klassikern wie “Ich ziehe meinen Hut und sage Champs-Élysées” gesellte sich in diesem Jahr etwas zum Thema Fakten: “Heute ist ein wichtiger Tag für den FC Bayern, weil wir Ihnen mitteilen, dass wir uns das nicht mehr gefallen lassen (…), herabwürdigende, hämische, faktische Berichterstattung.”

… für neue Namen, die Sie in der Sommerpause vielsagend auf den Grillpartys droppen können: Kai Havertz, Serge Gnabry, Jadon Sancho, Luka Jović. Gern geschehen.

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