/Lawrence Leuschner: “Es wird keine Überflutung mit Scootern geben”

Lawrence Leuschner: “Es wird keine Überflutung mit Scootern geben”

In vielen Städten der Welt sind bereits E-Tretroller unterwegs, bald werden sie auch nach Deutschland kommen. Am Freitag wird der Bundesrat voraussichtlich der Verordnung zustimmen, die sie zulässt. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sieht die Roller als Alternative zum Auto. Andere befürchten, dass sie die Städte überschwemmen und zu vielen Unfällen führen könnten. Das Berliner Unternehmen Tier bietet die Scooter bereits in Paris, Madrid, Wien und 18 weiteren europäischen Städten zum Ausleihen an. Lawrence Leuschner ist Gründer und Chef von Tier und wehrt sich im Interview gegen die Kritik.

ZEIT ONLINE: Herr Leuschner, wenn
der Bundesrat am Freitag die Verordnung für E-Tretroller beschließt: Wie viele
stellen Sie dann auf die Straße?

Lawrence Leuschner: Wir werden im Juni
in einigen deutschen Städten vertreten sein. Welche das sind und wie viele
Scooter wir dort platzieren, möchte ich aus Wettbewerbsgründen nicht sagen.

Lawrence Leuschner: Mitgründer und Chef von Tier Mobility

Lawrence Leuschner, Mitgründer und Chef von Tier Mobility
© Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Mehrere Mitbewerber drängen ebenfalls
auf den Markt. Droht eine Überflutung der Städte wie mit den Leihrädern vor
zwei Jahren?

Leuschner: Wir haben daraus gelernt und sind
mit den Stadtverwaltungen in Kontakt. Es wird keine Überflutung mit Scootern
geben, weil es diesmal viel koordinierter läuft als bei den Leihrädern. Wir
stellen nicht unabgesprochen 3.000 Scooter auf die Straße. Denn wir wollen mit
den Städten langfristig zusammenarbeiten.

ZEIT ONLINE: In anderen Ländern gibt es Beschwerden
darüber, dass Scooter an ungünstigen oder gefährlichen Orten abgestellt werden. Wie
wollen Sie das verhindern?

Leuschner: Über die App stellen wir den Kunden nach
jeder Fahrt bildlich dar, wo sie ihren Scooter abstellen sollen – nämlich an
einem Ort, wo er niemanden behindert. Falls ein Scooter das doch tut, kann die
Stadt bei unserem Servicetelefon anrufen und wir räumen ihn weg. Außerdem
sammeln wir über Nacht alle Scooter wieder ein.

ZEIT ONLINE: Auch die langsameren Roller, die bis zu
12 km/h schnell sind, werden nun nicht auf Gehwegen fahren dürfen. Finden Sie das
richtig?

Leuschner: Unsere Scooter sind bis zu 20 km/h schnell und dürfen
deshalb ohnehin nicht auf Gehwegen fahren. Aber
selbst wenn sie es dürften, würden sie nur in Ausnahmefällen dort fahren, denn
mit ihrer Geschwindigkeit ist der Radweg der natürliche Ort für sie. Wenn es
keinen Radweg gibt, muss jeder Kunde selbst entscheiden, ob er auf die Straße
ausweicht oder den Scooter auf dem Gehweg schiebt, genauso wie beim Fahrrad.

ZEIT ONLINE: In Frankreich will das
Verkehrsministerium E-Rollerfahren auf dem Gehweg mit 135 Euro bestrafen, weil
es so viele Unfälle gegeben hat. Brauchen wir das auch in Deutschland?

Leuschner: Ich hoffe, dass wir den Kunden die
Regeln klar kommunizieren und sich alle daran halten. Wenn nicht, müssen wir
sehen, wie wir als Unternehmen noch besser informieren können.

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