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Drogenhandel: Bitte nur hier das Cannabis verkaufen

Mit den Drogendealern kommen
Claudia N., 61, und Klaus R., 57, fast täglich ins Gespräch. Das Paar lebt
nur ein paar Fußwegminuten entfernt vom Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg. An
fast allen Ecken tummeln sich hier die Verkäufer. “Können Sie mir sagen, wofür diese
Linien sind?”, fragt Claudia N. an diesem Nachmittag einen der jungen Männer auf ihrem Spaziergang.
Sie deutet auf den Gehweg, in pinker Farbe ist ein Rechteck
auf den Boden gesprüht. “Das sollen unsere Bereiche sein”, antwortet der Dealer. “Wir sollen jetzt nur noch in diesen Rechtecken stehen.”

“Verstehe”, sagt Claudia N. Der junge
Mann tritt einen Schritt nach vorn, verlässt den markierten Bereich. “So stupid.
Aber er wolle sich daran halten. Er macht wieder einen Schritt zurück, alle lachen.
Claudia N. und Klaus R. spazieren eingehakt davon.

Was in Berlin-Kreuzberg kaum
noch für Verwunderung sorgt, fand in der vergangenen Woche viel Beachtung in
den Medien. “Drogen-Dealer bekommen eigene Verkaufszonen”, titelte etwa die Bild. Die Kritiker der rot-rot-grünen Berliner Landesregierung waren empört. Die Zonen seien eine Einladung zum Rechtsbruch, sagte der
CDU-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger. Er
warf dem grünregierten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg vor, er mache sich zum “Handlanger
der organisierten Kriminalität”. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler (CSU) sagte, die Felder seien “eine Kapitulation des Rechtsstaats”.

Die Zonen waren nicht abgesprochen

Das Bezirksamt selbst wies
sämtliche Kritik zurück. Es habe die Verkäuferzonen überhaupt nicht angeordnet,
sagte die Pressesprecherin. Sie waren nicht abgesprochen. Was ist hier passiert?

Seit zwei Jahren hat der
Görlitzer Park einen Parkmanager. Cengiz Demirci ist 45 Jahre alt und soll
Ordnung in den Park bringen. Dafür hat der Bezirk seine Stelle geschaffen und
genau das wollte Demirci mit den pinken Zonen tun. Doch die Pressesprecherin des
Bezirksamts sagt, dazu sei er nicht befugt gewesen. Demirci darf nach der
ganzen Aufregung vorerst nicht mit der Presse sprechen. Aber die Dealer können
erzählen, wie alles abgelaufen ist, Demirci bestätigt ihre Schilderungen.

Am Montag vor einer Woche, gegen
10 Uhr, lief Parkmanager Demirci wie gewöhnlich seine Runde durch den Park. Am
Eingang an der Forster Straße standen, wie üblich, einige Dealer. “Wanna smoke
something?
” Sie stellten sich mitten in den zwei Meter breiten Durchgang der
Parkmauer, damit ihnen keiner der Besucher entgeht. Über diese Taktik
beschweren sich regelmäßig Fahrradfahrer und Eltern mit Kinderwagen, die dann
nicht mehr durchkommen. Demirci sagte also, dass sie den Durchgang freihalten
sollen. “Wo genau sollen wir hin?”, fragte einer der Dealer.

Und Demirci
wurde zornig. Er lief zu seinem kleinen
Bauwagen, wo er sein Büro hat, und holte eine Sprühflasche, die er eigentlich
für die Markierungen von Baustellen nutzt. Zurück bei den Dealern sprühte er
die Linien auf den Gehweg. Neun Felder auf 25
Metern Strecke. Direkt an den Eingang malte er zwei große
Kreuze: Hier dürfen sie gar nicht mehr stehen.

Die Drogenzonen waren kein durchdachtes
Konzept, sie waren eine Notlösung im Affekt. Um den Eingang des Parkt endlich
frei zu bekommen. Eine pragmatische Maßnahme mit wasserlöslicher Farbe.

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