/Konjunktur: (Noch) kein Grund zur Panik

Konjunktur: (Noch) kein Grund zur Panik

Die Korrekturen wirken dramatisch: Um nur noch ein halbes Prozent wird die Wirtschaft nach Einschätzung der Bundesregierung in diesem Jahr wachsen. Das geht aus der neuesten Regierungsprognose hervor, die Wirtschaftsminister Peter Altmaier am kommenden Mittwoch im Kabinett vorstellen will. Zur Erinnerung: Vor ein paar Monaten war man in Berlin noch von einer Wachstumsrate von 1,8 Prozent ausgegangen. Im Rest der Welt sieht es nicht besser aus. Der Internationale Währungsfonds hat die Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft ebenfalls zurückgenommen. Sie wird demnach nur noch um 3,3 statt wie bisher vermutet um 3,7 Prozent zulegen.

Kommt er also jetzt, der Abschwung?

Wenn man sich mit den Zahlen ein wenig genauer beschäftigt, ergibt sich ein differenzierteres Bild. In Deutschland beispielsweise ist die Revision der Prognose vor allem auf die schlechte wirtschaftliche Entwicklung in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres zurückzuführen, als eine Umstellung der Abgasmessung in der Automobilwirtschaft sowie die Dürre die Produktion in der Industrie beeinträchtigten und die Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank Federal Reserve die Märkte verunsicherten.

Dazu muss man wissen, dass nach den gängigen statistischen Konventionen rein rechnerisch betrachtet, ein schwächeres Wachstum im Vorjahr auch das Wachstum im laufenden Jahr verringert, weil die Wirtschaft gewissermaßen von einer niedrigeren Ausgangsbasis startet. Wenn man so will, spiegeln die Zahlen die Probleme der Vergangenheit. Sie unterzeichnen damit die in der Wirtschaft angelegte Dynamik.

Auch in den nun nach unten korrigierten Prognosen ist nämlich bislang unterstellt, dass die Wirtschaft im zweiten Halbjahr wieder an Fahrt gewinnt. Wenn man sich nur die Wachstumsrate für dieses Jahr anschaut und das Vorjahr ausblendet, ergibt sich nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds ein Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 1,4 Prozent.

Unsicherheitsfaktor Donald Trump

Das ist nicht berauschend, aber auch nicht so schlecht – und es ist ja auch nicht alles schlecht. Die Bauwirtschaft in Deutschland läuft auf Hochtouren, die Löhne und Gehälter steigen, die von der Koalition vereinbarten zusätzlichen Staatsausgaben, etwa für das höhere Kindergeld, und mehr Investitionen stützen die Konjunktur. Wenn man so will, setzt die Regierung bereits ein kleines Konjunkturpaket um, das nach Schätzungen der Bundesbank die deutsche Wachstumsrate in diesem Jahr um bis zu einem halben Prozentpunkt erhöht.

Nun kann natürlich niemand sagen, was die Zukunft bringt: Vielleicht dreht Donald Trump durch und der Handelskrieg eskaliert. Vielleicht gelingt es nicht, beim Thema Brexit noch eine gütliche Einigung zu finden. Vielleicht spielen die Finanzmärkte angesichts der hohen Schulden in Ländern wie Italien verrückt. Dann könnte tatsächlich ein weltweiter Abschwung drohen, dem sich auch Deutschland nicht entziehen kann.

Aber umgekehrt bedeutet das: Wenn sich diese Risiken nicht materialisieren, dann sind die Aussichten nicht so schlecht, wie es die niedrigen offiziellen Wachstumsraten nahelegen. Dann wird sich die Wirtschaft nach einem Zwischentief wieder erholen. Dann besteht Grund zur Hoffnung, dass ein Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert werden kann und auch die staatlichen Steuereinnahmen sich weiter gut entwickeln – wenn auch vielleicht nicht mehr ganz so gut wie in der Vergangenheit.

Man sollte den nun schon seit mehr als zehn Jahren anhaltenden Aufschwung in Deutschland also nicht voreilig abschreiben.

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