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Sicherheitsgefühl: So denken die Menschen in Deutschland über Kriminalität

Der Großteil der Menschen in Deutschland fühlt sich sicher, doch der Anteil derer, die Angst vor Kriminalität haben, wächst. Das hat eine Befragung im Auftrag des Bundeskriminalamts (BKA) ergeben. Der sogenannte Viktimisierungssurvey wird von nun an alle zwei Jahre erhoben, um die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) zu ergänzen. Denn die PKS bildet nur das Hellfeld ab, also zur Anzeige gebrachte Taten. Kriminologen halten die Statistik daher für ungenügend und fordern seit Langem, für ein besseres Bild über die Kriminalität in Deutschland mehr Daten zu erheben.

Die BKA-Befragung ist repräsentativ und ergänzt somit wichtige Zahlen aus dem Dunkelfeld. Ein zentrales Ergebnis des Papiers, das BKA-Präsident Holger Münch am Dienstag vorstellte: Die Entwicklungen in der PKS entsprechen in etwa denen in der Befragung: In dem Zeitraum, in dem in der Statistik die Wohnungseinbrüche zunahmen, taten sie das auch in der Befragung, sagte eine Sprecherin. Das lässt den Schluss zu, dass steigende oder sinkende Kriminalitätszahlen auf eine echte Veränderung zurückzuführen sind und nicht auf ein verändertes Dunkelfeld. Bei Raub allerdings ging die Zahl in der PKS von 2017 deutlich zurück, während in der Befragung ein Anstieg zu sehen war.

Die Befragung untersucht, wie viele Menschen innerhalb eines Jahres Opfer einer Straftat werden. Ein Prozent der Befragten wurde demnach Opfer eines Raubes, jeweils etwa drei Prozent Opfer von Körperverletzung oder Diebstahl. 4,7 Prozent wurden Opfer eines Waren- oder Dienstleistungsbetrugs.

Der Befragung zufolge ist ein Migrationshintergrund bedeutsam für das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden. So wurden 3,7 Prozent der Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in den zwölf Monaten vor der Befragung Opfer einer Körperverletzung, bei Menschen ohne Migrationshintergrund waren es 2,7 Prozent. Auch nach Männern und Frauen gab es Unterschiede: 2 Prozent der Frauen wurden Opfer einer Körperverletzung und 4 Prozent der Männer.

Unsicherheitsgefühl bei Frauen und Männern gestiegen

Welche Taten werden angezeigt? Die Befragung ergab, dass das Dunkelfeld bei Einbrüchen und Autodiebstahl besonders klein war, fast alle Opfer zeigten die Taten an. Opfer von Waren- und Dienstleistungsbetrug zeigten dagegen in nur elf Prozent der Fälle die Taten an. Schädigungen durch Malware, also schädliche Computerprogramme, wurden sogar nur in fünf Prozent der Fälle angezeigt. “Die Polizei muss sich gerade im Digitalsektor neu aufstellen”, sagte Münch. “Es kann nicht sein, dass jemand keine Anzeige erstattet, weil er denkt, die Polizei kann sowieso nichts machen.”

Wie sicher fühlen Sie sich, wenn Sie nach Einbruch der Dunkelheit allein zu Fuß in ihrer Wohngegend unterwegs sind? Danach wurde im Viktimisierungssurvey ebenfalls gefragt, die Werte lassen sich mit einer ersten Erhebung von 2012 vergleichen. Das Unsicherheitsgefühl in der Wohnumgebung ist demnach seit 2012 sowohl bei Männern als auch bei Frauen signifikant gestiegen. Bei den Männern nahm der Anteil derjenigen, die sich in ihrer Nachbarschaft eher oder sehr unsicher fühlen, um knapp drei Prozentpunkte zu und lag 2017 bei etwa elf Prozent. Bei Frauen stieg das Unsicherheitsgefühl um knapp sechs Prozentpunkte auf 32 Prozent. Der Geschlechterunterschied im Sicherheitsempfinden hat sich damit zwischen 2012 und 2017 noch einmal vergrößert.

Frauen ändern aus Angst ihr Verhalten

Auch wenn es um die Angst vor konkreten Straftaten wie Raub, Terrorismus oder Sexualdelikte geht, sind die Zahlen bei den Frauen höher als bei Männern. Frauen ändern deutlich häufiger ihr Verhalten, um nicht Opfer einer Straftat zu werden: 60 Prozent von ihnen vermeiden aus Angst manchmal bis immer bestimmte Plätze, Straßen oder Parks. Nur knapp 23 Prozent der Männer tun das.

Große Unterschiede gibt es zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Letztere haben deutlich größere Angst vor Straftaten. Unsicherheitsgefühle sind laut Befragung bei türkischstämmigen Personen besonders stark ausgeprägt: Von diesen sind 40 Prozent besorgt, Opfer eines Einbruchs, eines Raubes oder eines terroristischen Anschlags zu werden. Der Anteil an furchtsamen Personen ist damit etwa doppelt so groß wie bei Personen ohne Migrationshintergrund.

In den einzelnen Bundesländern haben die Menschen unterschiedlich viel Angst. Der größte Anteil furchtsamer Personen ist in Sachsen-Anhalt mit 30 Prozent sowie in Sachsen und Berlin mit jeweils 28 Prozent zu verzeichnen. Die geringste Kriminalitätsfurcht gibt es in Rheinland-Pfalz und Hessen mit jeweils 17 Prozent sowie in Schleswig-Holstein und Bayern mit jeweils 18 Prozent.

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