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CDU-Nachwuchs: Zwei zum Verwechseln

Berlin-Charlottenburg, ein Samstag Anfang März. Tilman Kuban und Stefan Gruhner kommen in gebügelten Hemden vor dem Rathaus an, schütteln
Hände, machen Selfies, begrüßen viele Gäste mit Vornamen. Vorher waren sie in Leipzig, wo sie das gleiche Programm schon
einmal durchgezogen haben. Seit Wochen sind sie durch ganz Deutschland getourt–
vom Hochsauerland bis nach Südbaden –, um sich den Mitgliedern
ihres Jugendverbands vorzustellen.

An diesem Samstag wählen die Delegierten der Jungen Union (JU) in Berlin einen neuen Vorsitzenden. Das ist nötig geworden, weil der bisherige JU-Chef Paul Ziemiak im Dezember überraschend CDU-Generalsekretär wurde. Kuban und Gruhner wollen beide künftig den Jugendverband führen, der mit 105.000 Mitgliedern immerhin mehr als die deutschen Grünen hat. 

Bevor die beiden Kandidaten in Charlottenburg die Stufen in den dritten Stock hinauf steigen, stellen sich 30
Unterstützer von Gruhner vor der Jugendstil-Fassade auf und umringen
ihn für ein Foto mit blauen “Stefan”-Schildern. Gruhner ist der
Favorit in diesem Wahlkampf. Er nimmt seine typische Foto-Pose ein: Die
Hände auf Höhe des Bauchnabels, seine beiden Daumen berühren sich. Würde er die Finger ein
klein wenig mehr strecken, würde sich die ikonische Merkel-Raute
entfalten.

Viele JU-Chefs machen hinterher Polit-Karriere

Doch Kopien der Kanzlerin stehen sicher nicht zur Wahl. Wie die Jusos ihre SPD von links kritisieren, tritt die Junge Union konservativer auf als ihre Mutterpartei.
Gruhner und Kuban sind da keine Ausnahme. Gruhner, Landtagsabgeordneter aus Thüringen, stellt in seinen Äußerungen immer wieder die aktuelle große
Koalition in Frage. Kuban, Bewerber ums EU-Parlament aus
Niedersachsen, griff Angela Merkel wegen ihrer Flüchtlingspolitik an.

Die Stelle des JU-Chefs ist begehrt, ist sie doch für viele eine Generalprobe für höhere Ämter. Der bisherige JU-Vorsitzende Ziemiak wurde zum CDU-Generalsekretär befördert. Sein Vorgänger, Philipp Mißfelder, zum außenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion. Die früheren JU-Vorsitzenden Hermann Gröhe und Hildegrard Müller schafften den Sprung in die Bundesregierung.

Mit
der Kampfkandidatur macht die Junge Union gerade nach, was die CDU vorgelebt hat: Auch das Trio Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn und
Friedrich Merz reiste im vergangenen Herbst durch die Bundesrepublik, um um die Gunst der CDU-Mitglieder zu werben.
Spahn, ganz beflügelt, verglich das hinterher mit der Tour einer Rockband.

Zur Regionalkonferenz ein neues Einstecktuch

Wie auf einem Rockkonzert sieht es in Charlottenburg nicht gerade aus. Zu
der Regionalkonferenz eingeladen hat die Junge Union Berlin und Brandenburg. Gut 120 Mitglieder sind gekommen, viele
tragen Hemden und polierte Lederschuhe, vereinzelt auch Kleider und
Sneaker. Ein junger Mann weist auf sein neues Einstecktuch hin und
erntet anerkennendes Nicken.  

Die Spitzenkandidaten beginnen mit ihren
Reden und referieren ihre Lebensläufe. Stefan Gruhner erzählt, wie
er im Thüringer Landtag zwischen dem AfD-Rechtsaußen Björn Höcke
und dem Linken-Chef Bodo Ramelow sitzt und ruft zur “Abteilung
Attacke gegen linke und rechte Populisten” auf. Tilman Kuban, der auf einem aussichtsreichen
Listenplatz für das Europaparlament steht, betont seine
EU-Ambitionen. Er fände es ein starkes Zeichen, wenn er als
JU-Bundesvorsitzender die Politik in Europa gestalten könne.

Die
Themen Asyl und Migration sparen beide an diesem Tag aus. Es gehört zwar zum
konservativen Grundton der JU,
dass Kuban über den Begriff Leitkultur diskutieren möchte und
Gruhner über Clan-Kriminalität und “Ehrenmorde” sagt:

“In diesem Land machen die Parlamente die Gesetze und nicht der Prophet.” Doch
insgesamt folgen beide der Strategie ihrer Mutterpartei, die gerade
mehr über Rente statt über Flüchtlinge diskutiert.

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