/“Tatort” Kiel: Herr Dell hatte keine Feinde

“Tatort” Kiel: Herr Dell hatte keine Feinde

Domino spielen mit dem Tatort.
In der vergangenen Woche
residierte Thomas Kügel als leicht bräsiger Revierchef in Bayreuth, nun kann
man Borowski und das Glück der Anderen
(NDR-Redaktion: Sabine Holtgreve) anlegen mit ihm als Vorgesetztem – in seiner
offiziellen Tatort-Rolle als Roland Schladitz.

Kügel hat als Schladitz wieder einen komischen Auftritt.
Stolz führt er Boro (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) durch das
neue Bürogebäude der Polizei, das sich an zeitgemäßer Offen- und Buntheit
orientiert (“Freiräume für Begegnungen”). Wenn dieser Ort tatsächlich
Standard werden sollte in den künftigen Kieler Folgen, dann wird das ein
“Riesenspaß”, wie Boro ätzt.


Matthias Dell schreibt seit 2010 wöchentlich über “Tatort” und “Polizeiruf 110”. Auf ZEIT ONLINE seit 2016 in der Kolumne “Der Obduktionsbericht”
© Daniel Seiffert

Das Grelle der Möbel und Überdrehte von Schladitzens
Vorfreude ist nicht zufällig in diesem Film gelandet. Borowski und das Glück der Anderen ist erneut ein Tatort, der nicht das Graubrot der
Routine frühstückt, sondern Erdnussbutter extradick aufträgt. Fast könnte man
meinen, die ARD trainiere den Coup von Murot
und das Murmeltier

extra langsam ab, damit die Zuschauerin nicht gleich wieder von
Gewöhnlichkeit verschreckt wird.

Das Drehbuch zur Folge stammt von Sascha Arango, der, wie
Erol Yesilkaya letzte Woche, kein Freund des Whodunnit ist. Deshalb sieht man
gleich zu Beginn, wie Peggy Stresemann (die große Katrin Wichmann) ihren
schönen Nachbarn Thomas Dell (Volkram Zschiesche) erschießt. Eigentlich war
Frau Stresemann nur auf der Suche nach dem Lotto-Gewinner-Schein, den sie im
Haus der Nachbarn vermutet, weil dort Freude und ein Zettel erkennbar waren,
als die Zahlen für den 14-Millionen-Euro-Jackpot verkündet wurden.

Spannend ist das vordergründig nicht – und zwar nicht nur,
weil sich das Ermittlerpaar logischerweise nicht zu anderen Verdächtigen
verirrt, wenn man davon absieht, dass Mila Sahin die elegante Nachbarsgattin
Victoria (Sarah Hostettler) vernimmt. Spannend ist am ehesten, wie Frau
Stresemann aus der Nummer rauszukommen versucht, weil sie den vermeintlichen
Zettel zum Jackpot ja nicht gefunden hat. Als ihr Gatte Micha (Aljoscha Stadelmann)
plötzlich mit viel Geld ankommt, wähnt sie sich am Ziel und geht shoppen. Am
Ende stellt sich das Geld aber als Erspartes raus – und bittererweise als Investition
in das neue Leben mit Peggys Kollegin.

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