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Autonomes Fahren: Der Roboter holt mich ab

Wie beginnt das Zeitalter des autonomen Fahrens? Zwar testen einige Kfz-Hersteller bereits selbstfahrende Autos – doch vor allem Zulieferer sind überzeugt, dass die Technik in größerem Stil als Erstes nicht in Limousinen oder SUV, sondern mit autonomen Shuttlefahrzeugen auf die Straßen kommen wird. Womöglich bereits im nächsten Jahr könnten in Europa, den USA und
China rund eine Million solcher kompakten Shuttlebusse unterwegs sein.

Das ist zumindest der Kern dessen, was gerade auf der Technologiemesse CES in Las Vegas präsentiert wird. Gleich mehrere Zulieferfirmen stellen dort solche
selbstfahrenden Minibusse beziehungsweise die nötige Technik vor. Die meist kastenförmigen Fahrzeuge haben einen rein elektrischen
Antrieb, bewegen sich ohne Zutun eines Fahrers automatisch und können mehrere
Menschen aufnehmen. Sie sollen nicht
nach einem festen Plan fahren, sondern können von den Nutzern online bestellt werden.

Weit vorn
ist dabei ein Unternehmen aus Deutschland: der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen vom Bodensee. Er liefert die gesamte Technik zum autonomen
Fahren für den e.Go Mover, der von e.Go Moove ab Herbst in Serie gebaut wird.
Dieses Start-up wiederum ist ein ein Gemeinschaftsunternehmen einer ZF-Tochter
und der Aachener e.Go Mobile AG. Der 4,94 Meter lange Minibus hat zehn Sitz-
und fünf Stehplätze und ist mit einem 150 kW (rund 204 PS) starken E-Antrieb
von ZF bestückt. Er erreicht maximal 70 km/h und kann bis zu zehn Stunden pro
Batterieladung unterwegs sein.

Bis alle
rechtlichen Fragen für einen automatischen Betrieb geklärt sind, muss stets ein
Fahrer an Bord sein. Seine Dienstzeit darf maximal zwei Stunden betragen. Ein
ZF-Fachmann erklärt dazu: “Da die Technik bereits ausgereift ist, wird der
Fahrer kaum etwas zu tun haben und könnte unaufmerksam werden.” Auf der CES
haben ZF und seine Partnerfirma jetzt ihren ersten Kunden vorgestellt: Der weltweit
tätige französische Mobilitätskonzern Transdev will eine nicht genannte Zahl
des e.Go Mover kaufen. Transdev stellt zudem seine Erfahrung mit Programmen zur
Steuerung und Überwachung der Touren zu Verfügung.

Nur noch ein Joystick

Wie das
Fahren in autonomen Minibussen abläuft, ist längst kein Geheimnis mehr.
Schließlich testet die Deutsche-Bahn-Tochter ioki schon seit Herbst 2017 im
niederbayerischen Kurort Bad Birnbach einen selbstfahrenden Kasten, in diesem
Fall mit Vehikeln des französischen Herstellers Easymile. Aber auch in Las Vegas zeigt ZF gerade am Rande der Messe CES den Personentransport der nahen Zukunft.

Folien auf
einem schwarz geteerten Parkplatz markieren dort eine imaginäre Straße. Wulstige
Einbuchtungen zeichnen ebenso erdachte Ziele nach: Schule, Flughafen,
Einkaufszentrum oder andere Orte, die wir täglich ansteuern. Ein blauer Van
steuert über die Fläche, nur rein zufällig eine V-Klasse von Mercedes (der
Stern im Kühlergrill ist geglättet und überlackiert). Der Siebensitzer kommt
zum Stehen, die sich öffnende Beifahrertür offenbart Ungewöhnliches: Im
pedallosen Fußraum gähnt Leere, auch ein Lenkrad fehlt. Ein breitgezogenes
Armaturenbrett mit drei Monitoren verrät alles Wesentliche.

Auf der CES demonstriert ZF seine Technik fürs autonome Fahren. Sicherheitshalber sitzt in der umgebauten V-Klasse ein Mensch auf dem Platz des Fahrers.
© PR: ZF Friedrichshafen

Auf dem
Platz des Fahrers sitzt aufrecht ein Mensch. “Nur sicherheitshalber”, sagt
Torsten Gollewski, der Chef der Vorentwicklung bei ZF. “Selbst auf diesem
abgesperrten Areal dürfen wir nicht ohne Fahrer unterwegs sein. Auch wenn das
Auto es heute schon könnte.” Darum ragt zwischen den Vordersitzen ein schlanker
Joystick hervor. “Falls der Fahrer doch mal eingreifen muss”, sagt der
Ingenieur.

Wenn das
Robo-Taxi, wie ZF sein rollendes Denkmodell nennt, von einem Fahrgast gerufen
wird, treten die diversen Sensoren, Kameras und Radargeräte in Aktion. Dabei
ist das Dach der V-Klasse nicht – wie bei anderen Versuchsautos dieser Art – mit
allen möglichen Aufbauten gespickt. Die künstlichen Augen sind dezent hinter
den Scheiben oder ringsum im Blechkleid angebracht. Neben Kameras wird das
Umfeld von Radaraugen und auch von sogenannten Lidar-Systemen beobachtet. Sie
senden unsichtbare Laserstrahlen aus, deren Reflektion Hindernisse präziser
darstellen kann.

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